Wie eine Lawine wuchs in Lingelbach die Begeisterung für Country und Western. Den Stein ins Rollen brachte Silvia Stein (> 2005). Innerhalb des Landfrauenvereins entstand der Wunsch, eine Square- und Line-Dance-Gruppe zu bilden. Am 10.11.1999 fand in der Neuen Schule die erste Tanzstunde unter der Leitung von Barbara Wagner aus Breitenbach am Herzberg statt. Eine Woche Später formierte sich schon die erste Gruppe mit 5 Landfrauen und drei (Ehe)männern, die auf „Cotten Eye Joe“ den ersten Square Schritt für Schritt einstudierte. Sehr schnell steigerte sich sowohl die Begeisterung als auch die Zahl der Tänzerinnen.

Im Februar 2000 konnte Barbara Wagner die Tanzleitung an Gerlinde Hanstein beruhigt abgeben, denn sie war überzeugt, dass der Westerntanz in Lingelbach eine Zukunft haben würde. Sie sollte Recht behalten. Die Funken der Begeisterung sprangen über die Gemarkungsgrenze hinaus nach Breitenbach. Von da kam das Ehepaar Brigitte und Klaus Seiffert, ein geübtes Tänzerpaar und brachten neuen Schwung zu den Westerntanz-Freunden von Lingelbach. Den Line-Dance, den die beiden vorführten, übte die Gruppe gleich als den „Breitenbacher“ ein.

Der erste öffentliche Auftritt war auf der Burg Herzberg anlässlich des Bezirksgottesdienstes zu Himmelfahrt 2000. Durch den Applaus und die Begeisterung der Zuschauer erfuhr die Gruppe Bestätigung und Ansporn zugleich. Die 16 Frauen und 5 Männer nannten sich nunmehr Westerntanz-Freunde „Hot-Spurs“ Lingelbach. Die Zahl der Freunde und Fans wuchs stetig, doch konnten keine weiteren Tanzwilligen aufgenommen werden, da der Übungsraum keinen Platz bot.

Für die 22 begeisterten Kids zwischen 5 und 12 Jahren nahm sich Johanne Weis Zeit und gründete die Kinder-Westerntanz-Gruppe, mit der sie Line- und Square-Tänze einübte, die Auftritte der Erwachsenen ergänzte und für weiteren begeisterten Zuspruch sorgte.

Im Sommer 2001 war die Zeit reif für ein Countryfest.

Es war das 1. Lingelbacher Countryfest.

Mit viel Liebe zum Detail wurde die Front der „Neuen Schule“ mit hölzernen Fassaden zu einer Main-Street verkleidet. Der Eintritt war frei, doch konnte sich der Besucher in Lingelcreek nur mit Lingelbacher-Country-Dollar-Scheinen etwas leisten. Der Umtausch erfolgte in der Western-Bank, die von weitem erkennbar war durch die lange Menschenschlange davor.

Essen nach Western-Art, Country-Musik life von Hugo Peschel und der in der Szene geschätzte Jack Daniels gehörten zu den beliebten Attraktionen. Rundfahrten mit dem Planenwagen, Ponyreiten, Tomahawk-Basteln und Kriegsbemalung lockten besonders die Kids an. Die Tänzerinnen und Tänzer waren fast rund um die Uhr damit beschäftigt, die Gäste mit Speisen, Getränken und Tanzvorführungen zu verwöhnen. Zum Glück wurden sie unterstützt von vielen helfenden Händen aus dem Dorf.

Zwei Jahre später, in 2003, war das 2. Lingelbacher Countryfest keine Wiederholung, sondern eine Steigerung der Angebote, die sonst nur im wilden Westen zu finden sind. Die Main Street war sowohl in der Länge als auch in der Qualität erweitert um Totos-Store, Jail und Fort-Nox, Vollbad im Bath-House, sowie Haarschnitt und Rasur im Barber-Shop. Die von Klaus Ditzig entsandten Cow-Girls verblüfften manchen Zuschauer mit einer gekonnten Quaterhorse-Vorführung.

In einen wahren Goldrausch versetzte die Goldwaschanlage. Man schürfte am Klondyke, einem eigens aufgeschütteten Berg, man wusch, man suchte und in der Tat, in jedem Säckchen konnte man "Goldnuggets" finden, die durch die rauchende knatternde Prägevorrichtung zum Lingelbacher Country-Dollar umgemünzt wurden.

Lagerfeuer und echte Tipis trugen ebenso zur Wildwestromantik bei, wie Essen und Trinken nach Westernart, die Trapper-Pfanne und der gute alte Whiskey. Mit Gitarre und Geige lud Hugo Peschel wieder zum Tanz ein. Gastvereine und Gastgeber boten Tanzvorführungen dar. Selbst die Sonne lachte vor Freude und trug das ihre zur frohen Stimmung bei, die bis spät in die Nacht anhielt. Am Sonntagmorgen waren alle Sitzplätze im Hauptzelt beim Festgottesdienst besetzt, der zum Programm der Westernparty gehört.

Das Lingelbacher Country-Fest genießt vermehrt einen guten Ruf auch im europäischen Ausland. Gäste aus Dänemark und Luxemburg verabschiedeten sich nach 2 ereignisreichen Tagen mit der Frage, warum die Western-Stadt mit ihrer Romantik nur so wenige Tage steht.

Warum eigentlich?

So festigte sich am Ende des 2. Countryfestes in 2003 die Idee,

eine bleibende Westernstadt zu errichten.

Cowboys und -girls setzten sich zusammen und schmiedeten Pläne.

Um diese Pläne verwirklichen zu können,

wurde zum Frühjahrsbeginn 2004 der Main-Street 99 e.V. gegründet.

Insgesamt 72 Gründungsmitglieder fanden sich zusammen. Ihnen allen waren gemeinsam der Entschluss und die Bereitschaft, in Lingelbach eine bleibende Western-Stadt zu errichten.

Die Hot-Spurs, die Tänzer, bleiben nach wie vor eine Gruppe des Landfrauenvereins, die Mitglieder von Main-Street 99 stampfen Lingelcreek, die Western-Stadt aus der Erde.

Im Frühjahr 2004 übereignet die Stadt Alsfeld dem Verein

die 14 Wohncontainer des ehemaligen Kindergartens bei der Feuerwache .

Die Entschlossenheit und der unermüdliche Einsatz der Helfer zeigten sich besonders darin, dass innerhalb von 3 Tagen ein sauberes Areal zurückgeblieben war da, wo einst der Kindergarten stand. Stets in Dank verbunden bleibt der Verein Karl-Heinz Lehmann, der mit einem Tieflader der Firma Ochs den Schwertransport der Container übernahm.

In Zusammenarbeit mit dem Architektenbüro Geißler wurde ein Bauplan erarbeitet, auf Grund dessen bereits im Herbst 2004 die vorläufige Baugenehmigung erteilt wurde.

Von diesem Zeitpunkt an waren die entschlossenen, bauwilligen Vereinsmitglieder nicht mehr zu bremsen.

Im Januar 2005 brannte die Scheune der Familie Seifert aus Lingelbach nieder. Den verheerenden Flammen fielen nicht nur die Western-Kulissen der ersten beiden Country-Feste, sondern das gesamte Hab und Gut des Vereins zum Opfer.

„Jetzt erst recht, jetzt bauen wir die Western-Stadt.“

 Dem Verein kam eine Welle der Hilfsbereitschaft von Privatpersonen entgegen aber auch von Firmen, die großzügige Spenden erbrachten. Privateinlagen einiger Mitglieder und Einnahmen aus vergangenen Festen ermöglichten einen hoffnungsvollen Start der Bauarbeiten.

Die Mitglieder Norbert Steinke und Uli Wettlaufer setzten bei ihrer Arbeit aus ihrem Fuhrpark Bagger, Radlader, Schlepper und ähnliches ein. Mitglieder brachten eigene Maschinen und Handwerkszeug mit. An jedem Wochenende haben zig Mitglieder in jeder freien Minute in Lingelcreek gearbeitet.

Nachdem das für Juni 2005 vorgesehene Country-Fest wegen des Scheunenbrandes ausfallen musste, konnten die Bauleute nach ca.6.000 Arbeitsstunden im Dezember 2005 mit Genugtuung Half-Time-Party feiern.

Arbeits- und ertragsreiche Events – wie das Stadtfest und ein verkaufsoffener Samstag in Alsfeld – bedeuteten für die Vereinskasse eine kleine Erholung.

Durch emsige Arbeit und unter Einsatz aller Kräfte nahm Lingelcreek immer mehr Gestalt an.

Zum 3. Lingelbacher Countryfest im Juni 2006

befinden sich an der Main-Street der Western-Stadt:

 Saloon und Dance-Hall, Bank und Store, Sheriff’s Office und Jail, Bathhouse und Barbershop, Goldwaschanlage und Windrad sowie ein Fotostudio in dem nostalgische Westernporträts erstellt werden.

Die Besucher und Gäste, ob Countryfan oder nicht, konnten in Lingelcreek „the spirit of country“ deutlich spüren. Die Begeisterung und das Erstaunen über das, was der Verein geleistet hatte, lassen sich kaum in Worte fassen. Die geschätzte Zahl von etwa 2.000 Besuchern lässt erkennen, dass Lingelcreek über Lingelbach hinaus, ja bis ins Ausland, einen guten Ruf genießt, der wiederum auch verpflichtet.

Bereits im Frühjahr hatte sich der Hessische Rundfunk mit der Radiosendung

 „Mein Verein im hr 4“ für Anfang September 2006 angekündigt.

Neben den Aufgaben wie, ein Lied über die Entstehung des Ortsnamens zu dichten und vorzutragen, sowie Quizfragen in kürzester Zeit zu beantworten, stellte die 48 Stunden-Aufgabe eine echte Herausforderung dar. In dieser Zwei-Tages-Frist sollte in der Wester-Stadt eine Western-Kirche errichtet werden. Am Freitagnachmittag begannen mit einem Gebet des Ortspfarrers die Arbeiten an der Western-Church. Um 21.00 Uhr konnte ein spontan gedichteter Richtspruch vorgetragen werden. In 45 Stunden war die Kirche fertig gestellt bis ins Detail: Altarkreuz, Bibelpult, Kerzenhalter und Taufständer aus dem Holz einer Lärche gearbeitet, die alten Eichenbänke der Dorfkirche kamen (etwas zurechtgekürzt) wieder einem Raum der Stille und Besinnung zugute. Im Glockenturm hängt die alte Schulglocke aus dem Jahre 1881. Durch die unermüdete Arbeit von etwa 50 Mitgliedern und freiwilligen Helfern wurde das Werk vollendet. Die Glocke läutete zu einem kleinen feierlichen Akt ein, den der Ortspfarrer und eine Bläsergruppe des Posaunechores vor den Kameras des Hessischen Fernsehens gestaltet hatten.

Das Hessische Fernsehen war im Februar 2007 erneut zu Gast in Lingelcreek,

 diesmal mit der Sendung Bilderbogen.

Nach dem 4. Lingelbacher Countryfest in 2007

 sowie einigen erfolgreichen Firmenfesten und Events konnten weitere Investitionen getätigt werden wie z.b. der Einbau einer leistungsfähigen Heizung in Saloon und Dance-Hall. Diese Maßnahme war unerlässlich für die Aktivitäten des Vereins, dessen Mitgliederzahl auf 138 gestiegen ist und der insgesamt mehr als 45 aktive Tänzerinnen und Tänzer, darunter auch Kinder zählt.

Nochmals ein dickes Lob und ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder

und an alle freiwilligen Helfer, die uns immer wieder unterstützen!!!

Thank you for all!

LOGIN | Impressum